Löst Wasserkraft die Mühlen-Frage?

Presse

FT vom 24.07.2008

Weltkulturerbe Der Grundsatzsenat hat grünes Licht für ein neues Konzept der Unteren Mühlen gegeben, das auf Wasserkraft und eine gastronomische Nutzung setzt. Stadtwerke und Stadtbau sollen helfen, wo der freie Markt versagt hat.

Bamberg - Zwei Jahre, nachdem OB Andreas Starke wegen der heranrückenden Kommunalwahlen ein Moratorium, einen Planungstopp, für die Unteren Mühlen ausgesprochen hat, kommt wieder Bewegung in die Debatte um die Brachfläche am Alten Rathaus. Der Senat für Grundsatzangelegenheiten hat am Dienstag einstimmig grünes Licht für ein Konzept erteilt, das auf eine gastromische Nutzung der Freifläche und die Erzeugung von Energie setzt.

Endgültig vom Tisch sind damit die Hotelpläne, die nach einem Architektenwettbewerb vor zweieinhalb Jahren wegen ihrer modernen Formensprache und ihrer allgemein als zu groß empfundenen Dimensionen einen Sturm der Entrüstung in der Bevölkerung ausgelöst hatten.

Von dem Zwang, möglichst viel Nutzfläche auf einem 400 Quadratmeter großen Inselgrundstück unterzubringen, sieht sich die Stadt durch die inhaltliche Neuausrichtung und vor allem die beiden neuen Partner, Stadtwerke und Stadtbau, befreit. Denn das Raumprogramm für eine Gaststätte samt Freischankareal und möglicherweise auch Ausstellungsflächen für das Welterbezentrum begnügt sich allem Anschein nach mit bescheideneren Umfängen; genaue Zahlen lagen in der Sitzung aber noch nicht vor.

Vor allem aber besteht Hoffnung, dass der Einstieg von Stadtwerken und Stadtbau den gordischen Mühlenknoten durchschlagen könnte und dort zu einer Lösung führt, wo der freie Markt bisher versagt hat.

Die neue Mühlenidee beruht im Prinzip darauf, die alte Mühlenidee wieder aufzugreifen. Das Gefälle der Regnitz beträgt an dieser Stelle rund einen Meter und ist das einzige Wasserrecht in der Stadt, das derzeit nicht genutzt wird. Rund 80 bis 100 Kilowatt Leistung könnte ein Kraftwerk an dieser Stelle einfahren, war bei den Stadtwerken zu erfahren. Das reicht, um ca. 200 Häuser in der Stadt mit Strom zu versorgen.

Noch wissen die Stadtwerke, die auch Eigentümer der Fläche sind, nicht, was es kostet, ein Kraftwerke mit möglicherweise zwei Turbinen an dieser Stelle zu bauen. Doch wie Stadtwerkechef Klaus Rubach gegenüber dem FT bestätigte, besteht an dem Projekt ernstes Interesse: „Nicht nur wegen der hohen Energiepreise, auch, weil Energie eine endliche Ressource ist.“

Freilich bedeutet dies nicht, dass der Energieversorger an den Unteren Mühlen ein neues Zuschussprojekt aufhalsen will, wie Rubach sagte: „Es wird nicht funktionieren, wenn man von den Stadtwerken erwartet, dass sie alle unrentablen Wünsche finanzieren.“

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„Diese Fläche verträgt kein überdimensioniertes Hotel. Ich plädiere für ein Gebäude, das sich bescheiden in die Umgebung einfügt und keine eigenen Akzente setzt.“

OB Andreas Starke

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Hier nun kommt die städtische Tochter Nummer 2 ins Spiel, die Stadtbau GmbH. Sie soll den zweiten Teil des Projekts übernehmen und hat auch schon konkrete Überlegungen angestellt: „Wenn wir auf eine Bodenplatte aufsetzen können, spart das für den Hochbau viel Geld“, sagt Stadtbau-Geschäftsführer Heiner Kemmer. Natürlich müsse auch die Stadtbau darauf achten, dass der Aufwand nicht nur bei ihr liege, während andere den Ertrag hätten. Auf alle Fälle will Kemmer erst dann mit dem Projekt starte, wenn er auch einen Betreiber für die spätere Gastronomie hat.

Zahlen über Kosten und Nutzen einer Wasserkraftanlage, ebenso Antworten auf die Frage, was der Hochbau kosten könnte, blieb die Verwaltung am Dienstag schuldig. Erst der Senat für Stadtentwicklung im Oktober dürfte hier Genaueres erfahren.

Wunsch der Stadt ist es, dass der Sieger des ursprünglichen Mühlen-Wettbewerbs, das Stuttgarter Architekturbüro Mahler-Günster-Fuchs, die planerische Weiterentwicklung des Mühlenareals übernimmt. Zumal das Büro als Wettbewerbsgewinner offenbar auch einen Anspruch auf die künftigen Planungsleistungen ableitet. „Wenn man die Bürgerbeteiligung ernst nimmt, kommt man zu dem Ergebnis, dass diese Fläche ein so überdimensioniertes Hotel nicht verträgt“, sagte OB Starke rückblickend. Nach dem Ende des Moratoriums könne man nun in der gebotenen Sachlichkeit die Diskussion wieder aufgreifen. Er empfahl eine minimale Nutzung und einen Baukörper, der sich an dieser Stelle der Stadt zurücknimmt.

Helmut Müller (CSU) kritisierte die lange Verzögerung durch das Moratorium, stimmte dem Beschluss aber zu. Inhaltlich sehe sich die CSU dadurch bestätigt, dass die Stadt ihre Vorschläge aufgegriffen habe. Müller regte in Übereinstimmung mit den Realisten an, zu prüfen, ob nicht die Reste der Sterzersmühle in den Neubau integriert werden könnten.

Zustimmung kam auch von der SPD, deren Sprecher Heinz Kuntke die Hoffnung formulierte, man möge einen Entwurf schaffen, der den Angriffen des Populismus widerstehen könnte. Norbert Tscherner (BBB) begrüßte, dass zwei städtische Töchter mit im Boot sind. Michael Bosch (BR), Dieter Weinsheimer (FW) und Christiane Laaser (GAL) trafen sich in dem Vorschlag, neben der Nutzung der Mühleninsel für das Welterbezentrum auch andere Vorschläge auszuarbeiten.

 
 

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